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Die Wegelange-Geschichte
 

Die Wegelange - Geschichte, oder: eine Posse vom Lande...

 

(BILD vom 15.5.2009)

 

 

 

Freie Fahrt für freie Bürger!

"Die Wegelange-Verlängerung in Richtung Paderborn ist wieder offen!" Diese frohe Kunde konnte der spätere Fraktionsvorsitzende der FDP, Marcel Welsing, nach einer von ihm fast im Alleingang organisierten, groß angelegten Protestaktion verkünden. Nachdem in nur drei Wochen fast 2100 Unterschriften gesammelt wurden, knickte der Rat der Gemeinde Borchen bei laufender Unterschriftenaktion ein und erhörte den Willen der Bevölkerung - wohl aus Angst vor den damals anstehenden Kommunalwahlen.

Auch andernorts war der Protest groß, blieben im Haxtergrund nicht nur der Wald, sondern auch die Gastronomie leer, auch in Schloß Hamborn wurden die Straßen gerade vor der Klinik / dem Sanatorium vor der Sperrung überaus stark genutzt. Die Modelflieger konnten ihren "Flugplatz" nicht mehr erreichen und die Borchener wurden zu zeit- und kostenintensiven Umwegen gezwungen, wollten sie die Südstadt oder andere Bereiche Paderborns angemessen erreichen.

 

Der Bürgermeister, zunächst vehementer Verfechter der Sperrung, hatte vormals behauptet, trotz intensivstem Kontakt und Auslotung aller Möglichkeiten mit dem Gemeinde-Unfallversicherungsverband gäbe es angesichts des Wegezustands keine Möglichkeit als die Sperrung, diese sei alternativlos. Der Versicherungsverband würde ansonsten keine Haftung übernehmen, falls ein Schadensfall eintreten sollte. Die Alternative wäre ein Ausbau, der angeblich mit ca. € 200.000 veranschlagt werden müsste (eine anzuzweifelnde Summe, zudem ohne Planverfahren ermittelt). Nach einseitiger Diskussion, in welcher sich kein wirklicher und effektiver Widerstand gegen die Sperrung regte, drückte die Ratsmehrheit die Sperrung durch die Tagesordnung.

Die FDP Borchen sprach sich als einzige, aber damals leider noch nicht im Rat vertretene Partei offen, konkret und durchgängig für eine sofortige Wiederöffnung des Feldwegs nach Paderborn durch den Haxtergrund aus. Begleitend forderten wir den verkehrsgerechten Ausbau und die generelle Offenhaltung der Feldwege für den allgemeinen Verkehr!

Doch anstatt nur zu reden, handelten wir:

Die vom Vorsitzenden der FDP Borchen, Marcel Welsing, initiierte Unterschriftenaktion zeigte schnell Wirkung. Der Bürgermeister gab plötzlich vor, nun doch eine Lösung gefunden zu haben:

Nach intensiven Gesprächen mit dem Versicherungsträger hatte sich herausgestellt, dass auf gut deutsch alles beim Alten bleiben  könne, sofern die Gemeinde die Schlaglöcher stets ausbessere! Der Versicherungsverband bestätigte dies schriftlich.

Dies war nicht nur angesichts der behaupteten intensiven vorherigen Kontakte zur Versicherung verwunderlich (so intensiv können sie angesichts dieser plötzlichen und erstaunlichen Lösung nicht gewesen sein!), sondern auch, weil zur Begründung ein erst einige Jahre altes Urteil des Bundesgerichtshof auftauchte, welches vorher wohl "aus Versehen" nicht herangezogen wurde. Die € 200.000 waren damit vom Tisch, ebenso wie dieser "Schildbürgerstreich vom Lande"...

 

Neben den drei Artikeln in der BILD-Zeitung war die FDP mit diesem Thema "Dauergast" in den beiden großen Paderborner Tageszeitungen und bei Radio Hochstift. Das Westfälische Volksblatt kürte die Angelegenheit im Jahresrückblick gar zur "Posse des Jahres". In vielen Teilen der Gemeinde war die Sperrung Gesprächsthema.

 

Den "Schleichweg über die Felder" nach Paderborn nutzen lt. offizieller Verkehrszählung ca. 1200 Fahrzeuge täglich - damit allein an den Werktagenüber 300.000 Fahrzeuge pro Jahr! Dies zeigt die Wichtigkeit dieser Verbindungsstraße. An den Wochenenden dürfte diese Zahl nicht nur aufgrund des Naherholungsgebiets Haxtergrund ebenfalls beachtlich sein. Betroffen sind Einwohner aus nahezu allen Ortsteilen, hauptsächlich aber aus Teilen Nord- und Kirchborchens, Dörenhagens und Ettelns.

Die Gemeinde gab als Grund für die Sperrung an, der Weg sei nicht verkehrssicher, so dass im Schadensfall der Versicherungsschutz für die Gemeinde nicht gewährleistet sein könnte. Dieser Zustand ist der Gemeinde jedoch schon seit vielen Jahren bekannt ohne dass es sie gestört hätte (ganz zu schweigen vom Zustand der anderen Feldwege, die jedoch nicht als "sperrwürdig" angesehen werden), außerdem war es bis datodort bisher noch nie zu einem nennenswerten Schadensfall gekommen!

In der Bevölkerung regte sich zusehends ziviler Widerstand gegen die Sperrung:Eines Nachts waren die aufgestellten Schilder plötzlich weg. Sie wurden einfach abgesägt! Und die aufgestellten Ersatzschilder verschwanden ebenso nach kurzer Zeit, sie wurden wohl gestohlen. Diese Vorkommnisse waren Zeugnis über den großen Unmut in der Bevölkerung.

Die Gemeinde ging nun dazu über, mobile (!) Schilder aufzustellen, welche morgens von einem Mitarbeiter des Bauhofs an- und abends wieder abgeschraubt wurden. An den Wochenenden und an den Werktagen vor ca. 7 Uhr morgens und nach ca. 18 Uhr abends war das Befahren des Weges somit wieder "legal". Zudem kontrollierte die Polizei die Durchfahrt und kassierte bemerkenswerte Bußgelder von den durchfahrenden Personen; es patroullierte angeblich sogar ein Wachdienst, der aufpasste, ob Schilder oder Aufhebung beschädigt / gestohlen werden.

Diese Maßnahme war natürlich nicht nur ziemlich unsinnig, sondern v. a. auch grottesk: Entweder ist ein Weg verkehrstauglich und befahrbar - oder er ist es nicht. Hier orientierte sich die Befahrbarkeit des Weges nach der Tageszeit. Nachts war der Weg mit Tempo 100 sicher befahrbar - tagsüber war die Durchfahrt verboten. Von den Kosten (Überstunden!) für das auf- und abhängende Personal ganz zu schweigen...

Vor allem die mobile Beschilderung sorgte für viel Hohn und Spott in der Bevölkerung und in den Medien. Als die Gemeinde dies erkannte, installierte sie äußerst massive Pfähle mitsamt Beschilderung. Diese wurden nach einiger Zeit (wohl von einem Traktor) gezielt umgefahren. Nachdem die Unterschriftenaktion von Marcel Welsing Erfolg hatte und der Rat eingeknickt war, musste sich die Verwaltung zum Glück keine weiteren Gedanken darüber machen, welche weitere massive Form der Beschilderung hätte ausprobiert werden können...